Das Marktinteresse war zu Ostern auf verschiedene US-Konjunkturdaten gerichtet. Im Mittelpunkt standen dabei die Entwicklungen am amerikanischen Arbeitsmarkt. Nachdem die private Arbeitsagentur ADP ernüchternde Zahlen veröffentlicht hatte, wurde der offizielle US-Arbeitsmarktbericht unter dem Strich positiv interpretiert, da wieder Stellenzuwächse verzeichnet wurden.
Angesichts der hohen Anzahl der Langzeitarbeitslosen, die in der Regel keine finanzielle Unterstützung mehr erhalten, können die Experten der Weberbank diese Meinung aber nicht teilen. So mache deren Anteil mittlerweile über 44 Prozent aller Arbeitslosen aus. Diese Tatsache schlägt sich auch in den verschiedenen Indikatoren der Verbraucherstimmung nieder, die zwar etwas weniger pessimistisch als zuvor sind, aber immer noch unterhalb ihrer Durchschnittswerte liegen.
Euphorischer sind auf der anderen Seite die amerikanischen Einkaufsmanager, die – insbesondere im verarbeitenden Gewerbe – optimistischer sind als vom Markt erwartet wurde. Ernüchternd stimmen die Weberbank-Experten letztendlich aber auch die Entwicklungen auf dem US-Wohnungsmarkt. Die Bautätigkeit bleibt niedrig, es werden so wenig neue Einfamilienhäuser wie noch nie verkauft und die Preisentwicklung ist tendenziell nach wie vor rückläufig.
Deutsches Kurzarbeitsmodell punktet
In Europa wurden ebenfalls Arbeitsmarktdaten veröffentlicht, die erneut gezeigt haben, dass das deutsche Kurzarbeitsmodell seine Wirkung nicht verfehlt hat. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote im Euroraum ist im März geringfügig auf 10 Prozent gestiegen und hat sich somit während der Wirtschaftskrise stärker ausgedehnt als in Deutschland. Hierzulande, wo die Quote 8 Prozent beträgt, ist die Arbeitslosigkeit sogar leicht rückläufig. Angesichts des erfolgreichen Einsatzes der Kurzarbeit wird schon vom deutschen „Arbeitsmarktwunder“ gesprochen. Fraglich bleibt, ob der deutsche Arbeitsmarkt aufgrund der Kurzarbeit mit einem blauen Auge durch die Krise kommen kann. Denn die im Rahmen des Konjunkturpakets II beschlossenen verbesserten Regelungen gelten vorerst nur bis Ende dieses Jahres.
Positiver Ausblick für Rentenmärkte
Die Rentenmärkte werden von den am Markt positiv interpretierten Konjunkturdaten immer wieder vorübergehend unter Druck gesetzt. Das liegt daran, dass positive Nachrichten die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung vergrößern, was mit steigenden Anleiherenditen und sinkenden Kurse einhergeht. Unter dem Strich ist die Wirtschaftserholung aber als fragil zu bezeichnen. Die Zentralbanken in den USA und Europa dämpfen daher regelmäßig jegliche Erwartungen auf frühzeitige Zinserhöhungen. Einen ersten Zinsschritt der Europäischen Zentralbank EZB erwarten die Weberbank-Experten somit erst gegen Mitte nächsten Jahres. Sie sehen die Rentenmärkte demzufolge nach wie vor als sehr attraktiv an.
Höhenflug des Dollars kann andauern
Anhaltende Diskussionen um die zugespitzte Finanzlage Griechenlands belasten immer wieder die Kurse griechischer Staatsanleihen, deren Ausfallrisiko die Weberbank-Experten aber als gering betrachten. Diese Thematik setzt zudem den Euro gegenüber den US-Dollar unter Druck, welcher sich durch die positiven Konjunkturnachrichten aus den USA und den damit einhergehenden Zinserhöhungserwartungen noch verstärkt. Der Dollar befindet sich daher derzeit – auch gegenüber anderen Währungen wie dem japanischen Yen – auf einem Höhenflug, der noch ein wenig anhalten kann.
Startschuss für die neue Berichtssaison – Aufwärtstrend weiter intakt
In Erwartung der bevorstehenden Berichtssaison, die am heutigen Montag in den USA traditionell vom Aluminiumkonzern Alcoa eröffnet wird, ist das Augenmerk in den nächsten Wochen auf die Unternehmensdaten und somit auf die Aktienmärkte gerichtet. Der Aufwärtstrend in allen wichtigen Aktienindizes ist noch intakt. Immer mehr technische Indikatoren signalisieren allerdings einen überhitzten Markt. So notieren zum Beispiel nahezu alle Aktien in den Indizes oberhalb ihrer langfristigen aber auch kurzfristigen Durchschnitte.
Aktien: Kurzfristiger Euphorie steht mittelfristig Skepsis gegenüber
Auch die fundamentale Betrachtung offenbart, dass Aktien nicht mehr günstig zu haben sind. Dennoch, ein Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der erwarteten Gewinne von ungefähr 13 im DAX und 15 im S&P 500 ist im historischen Vergleich noch vertretbar. Wenn in der kommenden Berichtssaison die von den Analysten erwarteten Gewinne bestätigt werden, besteht also durchaus noch etwas Luft nach oben.
Mittelfristig sind die Weberbank-Experten aber nicht vom Optimismus der Analystenschätzungen und der Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten überzeugt. Diese Meinung wird von den Stimmungsumfragen, die zum Beispiel von Sentix bei privaten und institutionellen Investoren durchgeführt werden, untermauert. Das Ergebnis: Kurzfristiger Börseneuphorie steht mittelfristig große Skepsis gegenüber.
IPO-Markt zieht an
Positiv zu bewerten ist die erhöhte Aktivität am Markt für Neuemissionen. Mehrere Unternehmen gaben hierzulande ihr erfolgreiches Börsendebüt. In Japan stand mit dem bedeutenden Lebensversicherer Dai-ichi Mutual Life sogar der weltweit größte Börsengang seit zwei Jahren auf dem Programm. (ir)
Quelle: FONDS professionell ONLINE