Während Goldman Sachs von der SEC bereits wegen mutmaßlichem Betrugs verklagt wurde – die US-Börsenaufsicht wirft der Bank vor, Investoren gezielt wichtige Informationen beim Verkauf von einem komplizierten Subprimeprodukt (CDO) vorenthalten zu haben – gerät parallel dazu auch Hedgefondsmanager John Paulson zunehmend stärker ins Visier der Kritiker.
Treibende Kraft hinter dem Produkt
Denn Paulson soll eine treibende Kraft hinter dem fraglichen Produkt gewesen sein – wie die SEC Ermittlungserkenntnisse nahelegen - und die verlustträchtigen Anleihen sogar selbst mit ausgesucht und zusammen mit Goldman Sachs-Banker Fabrice Tourre entwickelt haben - während Paulson selbst auf einen Zusammenbruch des US-Häusermarktes wettete und dadurch Milliarden Dollar gewann und sich erstmals auch in der breiteren Investment-Szene als Star-Spekulant einen Namen machte.
So war Paulson einer der wenigen Fondsmanager, der den Verfall der amerikanischen Häuserpreise und den damit einhergehenden Kollaps des US-Immobilienmarkts, sowie die drohenden Zahlungsausfälle von Subprime-Hypotheken mit einigem Vorlauf bereits 2006 vorhergesehen hatte und diesen Glauben versilberte: Im Krisenjahr 2007 spülte ihm eine Wette gegen die Häuserpreise fast vier Milliarden US-Dollar in die Kasse – und damit das höchste Jahressalär, was es in der Geschichte der Wall Street bis dato gegeben hatte.
Deutlicher weniger Freude haben indes die Investoren, die auf das ins Visier geratende Goldman-Sachs-Investmentvehikel setzten, darunter auch die deutsche Mittelstandsbank IKB und die niederländische ABN Amro: Unterm Strich verloren sie über eine Milliarde Dollar.
Kein SEC-Vorwurf erfolgt
Zwar wirft die SEC Paulson selber nichts vor, da sie nur Anlegertäuschung ahndet, die dem Hedgefondsmanager nicht vorzuwerfen ist, da er aus seinem Glauben an den Immobilien-Crash damals keinen Hehl machte. Anders liege der Fall hingegen bei dem für das Geschäft zuständigen Manager Goldman Sachs-Banker Tourre, der Investoren diese Information bewusst vorenthalten haben soll und ihnen stattdessen vielmehr versicherte, dass Paulson nicht gegen sie, sondern mit ihnen wette, wie die ‚Süddeutsche Zeitung’ schreibt. Laut Goldman Sachs habe sich Tourre derzeit eine kleine Auszeit genommen, bleibe aber weiter auf der Gehaltsliste und sei nicht suspendiert, wie Reuters berichtet. Die Bank selbst hat bereits alle Vorwürfe zurückgewiesen. (ir)
Quelle: FONDS professionell ONLINE