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Analyse der Woche: Krisen 1929 versus 2008 – historischer Vergleich hinkt - News - Usdepotde, Bete...
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Analyse der Woche: Krisen 1929 versus 2008 – historischer Vergleich hinkt
Viele Kommentatoren vergleichen die aktuelle Marktlage mit der Weltwirtschaftskrise im Anschluss an den Börsenkrach von 1929. Zwar gibt es Ähnlichkeiten zwischen der heutigen und der Situation in den 1930er-Jahren. Dies bedeutet aber nicht, dass die Welt in eine jahrelange Depression abgleiten wird, sagen die Experten von Fidelity International. Sie haben die wichtigsten Unterschiede zwischen der aktuellen Situation und den Anfängen der Großen Depression von 1929 bis 1932 herausgearbeitet. Lesen Sie nachfolgend ihre Einschätzung:
Der aktuelle Wachstumseinbruch hat eine völlig andere Größenordnung als damals. Im allgemeinen versteht man unter einer Depression einen scharfen Einbruch in der wirtschaftlichen Entwicklung. Als Faustregel gilt ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um mindestens zehn Prozent. Während der Großen Depression in den 1930er-Jahren belief sich das Minus auf etwa 25 bis 30 Prozent und machte der Wirtschaft noch über ein Jahrzehnt danach heftig zu schaffen. Schätzungen zufolge war jeder vierte Amerikaner erwerbslos.
Am 31. Oktober 2008 betrug die Arbeitslosenquote in den USA 6,5 Prozent. Damit ist die Zahl im vergangenen Jahr um fast zwei Prozentpunkte gestiegen. Es deutet alles darauf hin, dass sich dieser Trend in den kommenden Monaten weiter fortsetzen wird. Aber selbst Pessimisten erwarten den Gipfel bei etwa zehn Prozent, womit nicht einmal annähernd das Niveau der 1930er-Jahre erreicht wäre. Selbst wenn sich diese Schätzungen als zu optimistisch erweisen sollten, müsste eine ganze Serie von unvorhersehbaren Katastrophen eintreten, um einen ähnlich drastischen Konjunkturrückgang auszulösen. Mit anderen Worten, die Lage ist ernst - aber bei Weitem nicht so hoffnungslos wie vor rund 80 Jahren.
Das Bankensystem steht nicht vor dem Zusammenbruch
In den 1930er-Jahren gab es noch keine Einlagensicherung, welche die nervösen Sparer beruhigt hätte. Viele sahen sich dazu veranlasst, ihre Einlagen abzuheben. Der Ansturm auf die Bankschalter brachte die Geldhäuser in Zahlungsnot, was die Ängste der Menschen um ihr Geld zusätzlich anheizte – ein Teufelskreis. Es kam zu Hunderten, wenn nicht gar Tausenden von Bankpleiten, die letzten Endes den Zusammenbruch des gesamten Finanzsystems verursachten.
Heute stecken die US-Kreditmärkte in der Krise. Das Vertrauen ist gegen Null gesunken, und viele Finanzinstitute versuchen händeringend, angeschlagene Vermögenswerte loszuwerden. Tatsächlich Pleite gegangen ist bisher allerdings nur eine überschaubare Anzahl an Instituten. Die US-Regierung erhöhte im Oktober die Einlagensicherung, um einer Panik vorzubeugen. Finanzunternehmen, die auf Geld vom Kapitalmarkt angewiesen waren, wie beispielsweise unabhängige Investmentbanken, gingen entweder bankrott, wurden übernommen oder in normale Banken umgewandelt. Selbst wenn der Druck auf das Finanzsystem anhält, ist eine massive Bankenpanik wie zu Beginn der 1930er-Jahre nicht zu erwarten.
Geldpolitik: Erhöhung statt Drosselung der Liquidität
Der Nobelpreisträger Milton Friedman meinte, die Große Depression sei in erster Linie das Ergebnis einer falschen Geldmengenpolitik gewesen. Ob man diese Ansicht teilt oder nicht, besonders hilfreich waren die Maßnahmen der US-Notenbank in den 1930er-Jahren nicht. Als nach dem Börsenkrach von 1929 das Preisniveau für Waren und Dienstleistungen in eine Abwärtsspirale geriet, drosselte die Federal Reserve die Geldmenge. Das verstärkte den ohnehin bereits vorhandenen Deflationsdruck und führte dazu, dass die Preise zu Beginn der 1930er-Jahre um zehn Prozent jährlich nachgaben.
Heute schnürt die Fed das dickste Hilfspaket in ihrer Geschichte. Da ihr wenig Spielraum für Zinssenkungen bleibt, pumpt sie durch andere Kanäle Liquidität in den Markt. So hat sie ihre Bilanzsumme seit September verdoppelt, um die Geldmenge weiter zu erhöhen. Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Deflation laufen weiter und stehen in scharfem Kontrast zu der passiven Haltung der Währungshüter während der 30er-Jahre.
US-Regierung: Ankurbeln lautet das Gebot der Stunde
Die damaligen Maßnahmen von US-Präsident Hoover waren angesichts der katastrophalen Wirtschaftslage nicht ausreichend. Manche erwiesen sich sogar als kontraproduktiv und trugen dazu bei, den Abschwung noch weiter zu verschlimmern. So zum Beispiel die Erhöhung der Zölle (Smoot-Hawley-Tarif von 1930) und der Einkommenssteuer.
Die US-Regierung hat in den letzten Monaten mehr erreicht als die Hoover-Administration in den dreieinhalb Jahren, bevor Präsident Roosevelt 1933 den "New Deal" ausrief und damit einen neuen Kurs einschlug. Die Regierung übernahm die Hypothekenriesen Fannie Mae und Freddie Mac und rettete den Versicherungsgiganten AIG. Sie beschloss ein 700 Milliarden Dollar schweres Rettungspaket zur Rekapitalisierung des Banksystems, bescherte den Verbrauchern Steuererstattungen in Höhe von 100 Milliarden US-Dollar und verabschiedete eine Reihe von Maßnahmen zur Unterstützung verschuldeter Hausbesitzer. Der nächste Präsident, Barack Obama, hat bereits seine Absicht signalisiert, ein Budget in Höhe von 500 Milliarden US-Dollar bereitzustellen, um die Wirtschaft weiter anzukurbeln. Staatliche Eingriffe in diesem Ausmaß sind ein wirksames Mittel, um dem Rückgang des privaten Konsums entgegenzuwirken.
Weltweite Reaktion: Die Staaten eilen zu Hilfe
Zu Beginn der 30er-Jahre begann die Krise in den USA, um dann auf den Rest der Welt überzugreifen. Der zum Schutz vor den Folgen einer Weltwirtschaftskrise erlassene Smoot-Hawley-Tarif belastete mehr als 20.000 Importgüter mit einem Zollsatz von bis zu 60 Prozent. Rund um den Globus reagierten die Länder mit der Anhebung ihrer eigenen Zölle und Einfuhrsperren. Diese so genannte „Beggar thy neighbor“-Politik führte letztendlich zum Zusammenbruch des Welthandels.
In jüngster Zeit waren derart protektionistische Maßnahmen eher die Ausnahme. Stattdessen versuchte man, angeschlagene Banken zu retten und schwächelnde Volkswirtschaften zu stimulieren. Alle großen europäischen Volkswirtschaften versorgten ihre Banksysteme mit Kapital und erhöhten die Garantien für Bankeinlagen. Zahlreiche Länder kündigten Maßnahmenpakete zur Ankurbelung der Konjunktur an, darunter China, Japan und Deutschland, und fast alle Zentralbanken senkten die Zinsen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) gewährte angeschlagenen Staaten Kredite in Milliardenhöhe.
| Hauptunterschiede zwischen der Großen Depression und 2008 |
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Weltwirtschaftskrise |
Heute |
| Rezession |
Arbeitslosenquote in den USA: 25 Prozent auf dem Höhepunkt der Krise |
Arbeitslosenquote in den USA: 6,5 Prozent Ende Oktober 2008 |
| Banken |
Hunderte von Bankausfällen, |
Überschaubare Zahl an Bankausfällen, erhöhte Einlagensicherung |
| keine Einlagensicherung |
| Geldpolitik |
Verknappung der Geldmenge |
Massive Kapitalspritzen, Zinssenkungen |
| US-Regierung |
Kleine Schritte, Steuer- und Zollerhöhungen |
Massive Rekapitalisierung des Finanzsystems |
| Weltweite Reaktion |
"Beggar-thy-neighbor"-Politik: Schutzzölle bringen Welthandel fast zum Erliegen |
Staatliche Hilfen zur Stützung des Bankensystems, kein Protektionismus in der Handelspolitik |
Die Weltwirtschaft und das Finanzsystem stehen vor enormen Herausforderungen. In den USA weisen alle Konjunkturindikatoren steil nach unten. Es droht die schwerste Rezession der Nachkriegszeit. Genau betrachtet hinkt jedoch jeder historische Vergleich. Die Welt hat sich im Verlauf der Jahrzehnte viel zu stark verändert, als dass sich irgendwelche Parallelen zur Vergangenheit ziehen ließen. Mit einer jahrelangen Depression ist nicht zu rechnen. Die massive Reaktion der Zentralbanken und Regierungen rund um den Globus zeigt, dass die Welt heute eine ganz andere ist als vor 80 Jahren. Die Anleger dürften gut daran tun, diesen Umstand zu berücksichtigen. (rmk)
Quelle: Fonds professionell
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